: Besuch einer Wöchnerin (um 1480)
Die Bruderschaft der „Buonomini di San Martino“, die „Guten Männer des Heiligen Martin“ hatten sich 1442 in Florenz gegründet, um den sogenannten „verschämten“ oder „schamhaften“ Armen zu helfen. Mit dieser Bezeichnung unterschied man die in der Stadt ansässigen Personen bzw. Familien, die vielleicht auch nur vorrübergehend durch Krankheit oder Tod eines Angehörigen in Not gerieten, von umherziehenden Bettlern. Um 1480 ließen sie ihr Oratorium mit einem Zyklus ausmalen, der ihre Tätigkeiten in Anlehnung an die sieben Werke der Barmherzigkeit darstellt. Das „Kranke besuchen“ ist geschildert als der Besuch bei einer Frau, die gerade ein Kind geboren hat, was in der Regel zu Hause geschah. Der Frau im Kindbett werden die traditionellen Gaben, ein Kapaun, also ein besonders fetter Hahn, Wein und Konfekt überbracht, die ihr zur Stärkung dienen sollten. In der Tat unterstützten die Buonomini Wöchnerinnen, aber sie praktizierten weder Krankenpflege noch betrieben ein Hospital.
Besuch einer Wöchnerin (um 1480). Fresko, Florenz, Oratorium der Buonomini di San Martino