Bibliotheca Hertziana - Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte Rom

Kunsthistorikertag in Würzburg 2011

Kunstschutz

Zwei Fotobestände der Fotothek der Bibliotheca Hertziana sind im Auftrag der deutschen, italienischen sowie der alliierten Kunstschutzbehörden entstanden. Der erste, größere Fundus besteht aus ca. 900 s/w Negativen, die als Teil des fotografischen Nachlasses von Hans Werner Schmidt (1904-1991) kurz nach dessen Tod in die Fotothek gelangt sind. Der Kunsthistoriker Schmidt war zwischen April 1944 und März 1945 hauptverantwortlicher Fotograf der Abteilung "Deutscher militärischer Kunstschutz in Italien". Im Frühsommer 1944 hatte er den Auftrag erhalten, in Oberitalien (Genua, Mailand, Padua, Vicenza etc.) Aufnahmen noch unversehrter oder schon zerstörter Bau- und Kunstwerke für das von Ludwig Heydenreich geleitete Fotoarchiv der Abteilung Kunstschutz anzufertigen. Die Auswahl der Bau- und Kunstwerke wurde ihm nur selten vorgeschrieben, sie oblag vielmehr seinen kunsthistorischen Kenntnissen und seinem Urteilsvermögen. Er führte die Aufträge selbst mit seiner Kamera aus oder organisierte Kampagnen, beispielsweise mit den Fotografen der italienischen Denkmalämter.

Die Negative und Abzüge aus dieser Tätigkeit Schmidts sind heute auf verschiedene Fototheken verteilt, wie das Kunsthistorische Institut in Florenz, das Zentralinstitut in München und die Bibliotheca Hertziana. Die Hertziana besitzt gut 1300 Negative von Schmidt, die vorrangig stuckierte Gewölbedekorationen oberitalienischer Kirchen und Paläste des 16. Jahrhunderts dokumentieren. Schon in den dreißiger Jahren war dies das bevorzugte Forschungsfeld des Kunsthistorikers gewesen, das ihn Zeit seines Lebens beschäftigen sollte. Die damit verbundene breite Kenntnis der einschlägigen Bau- und Kunstwerke dürfte neben der Vertrautheit mit der italienischen Sprache und Kultur ausschlaggebend für Schmidts Ernennung auf den Posten beim Kunstschutz gewesen sein.

Die Aufnahmen für den Kunstschutz (etwa 900) sind denjenigen aus den dreißiger Jahren (ca. 400) formal und inhaltlich sehr ähnlich. Sie sind wie diese als reine kunsthistorische Dokumentation zu charakterisieren, in denen propagandistische Tendenzen nicht erkennbar werden.

Der bislang als Kunstschutzaufnahmen identifizierte Bestand ist im Online-Katalog der Fotothek der Bibliotheca Hertziana über den Suchbegriff „Kunstschutz“ abrufbar.

Das zweite, wesentlich kleinere und uneinheitlichere Konvolut zum italienischen und alliierten Kunstschutz umfasst ca. 160 s/w Fotografien von zerstörten italienischen Bauwerken. Es gelangte in den siebziger Jahren in die Fotothek der Bibliotheca Hertziana, seine Herkunft ist unbekannt. Die Bearbeitung des Konvoluts ist gegenwärtig im Stadium der Bestandsaufnahme.

Regine Schallert

Abstract bei Foto Marburg

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